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Auszüge aus meiner Projektbeschreibung

Zu Beginn meiner Recherche habe ich meine Motivation und mein Projektvorhaben für verschiedenen Bewerbungen zusammengefasst. Anbei die wichtigsten Auszüge:

 

„Mit der Release Technik bin ich bereits bei vielen verschiedenen Dozenten in meinem Studium in Berührung bekommen, da diese Technik Grundlage in allen zeitgenössischen Trainings ist. Sie bewirkt eine Kräftigung der Physis, eine bessere Ausrichtung im Raum (Alignment) und kann ebenso viel Präsenz im Körper ausbilden wie der klassische Tanz. Vor allem der Unterricht bei Prof. Martin Sonderkamp war eine wichtige Lehrzeit, da er neben seiner besonderen Empathie für den Umgang mit der Schwerkraft großer Tänzerinnen wie mir und seine Erfahrungen aus der Zeit bei Movement Research in New York City in seinen Unterricht einfließen ließ.

2014 war ich als Tänzerin bei Britta Lieberknecht & Company in der Stückentwicklung von „Schimmerndes Blau“ tätig und habe dort die Release Technik anhand von Bewegungssequenzen von Trisha Brown kennen gelernt. Britta Lieberknecht hat als junge Tänzerin drei Jahre in New York City gelebt, um zeitgenössischen Tanz an der Merce Cunningham School zu studieren sowie bei der Trisha Brown Dance Company zu trainieren. Bereits innerhalb des Vortanzens habe ich gemerkt, wie leicht mir die Ausführung der Bewegungen fiel und wie sehr ich mich im Bewegungsmaterial wieder gefunden habe.

Der zeitgenössische Tanz definiert sich selten über eine einzelne Tanztechnik, sondern über die Erfahrungen, Interessen und Hintergründe des jeweiligen Lehrers und Choreographens. Als Tänzerin besuche ich nicht eine Klasse in einer bestimmten Technik sondern bei einem bestimmten zeitgenössischen Lehrer.

Es hat einige Jahre gedauert, bis ich ein Unterrichtsformat entwickelt hatte, um mein eigenes Material weiter zu vermitteln. Der zeitgenössische Tanz besitzt eine offene Struktur und jeder Lehrer hat sein eigenes Unterrichtskonzept und jedem Choreographen seine eigene Bewegungssprache. Zu Beginn meiner Unterrichts- und Tänzertätigkeit hat mich diese reichhaltige Vielfalt oftmals überfordert, da ich mich in vielen Techniken und Stilen aufgrund meiner Körpergröße nicht wiedergefunden habe. Nach meinem Engagement bei Britta Lieberknecht & Company habe ich durch mein neu erlangtes Wissen selbst immer weiter an meinem Bewegungsvokabular recherchiert, sodass zentrale Themen meiner Bewegungsprinzipien – Fall und Schwung, die Schwerkraft, Isolierung einzelner Körperteile, Richtung und Gegenrichtung innerhalb des Körpers – geworden sind und für die ich immer wieder neue Übungen und Bewegungssequenzen entwickle. Diese Prinzipien erlauben mir einen besonders mühelosen Umgang mit Bewegung, schnell und wendig zu sein, vielseitig und differenziert meine einzelnen Körperteile zu gebrauchen und Energien von einem Punkt des Körpers zu einem anderen zu übertragen.

In den 1980er Jahren interessierte sich Trisha Brown in ihrer Schaffensphase von „Set and Reset“ beispielsweise neben dem Fall auch mit Prinzipen wie tossing (einzelne Körperteile in den Raum werfen), dropping (einzelne Körperteile fallen lassen), breaking (eine Bewegungsfigur mit ihrer Energie nach außen explodieren lassen) oder organizing (die einzelnen Körperteile wieder in eine aufeinander abgestimmte stabile Organisation bringen). Ich möchte mich weiter mit meinen Bewegungsprinzipien beschäftigen, die vergleichbar mit denen von Trisha Brown sind. Aus diesem Grund möchte ich die Chance des Praktikums in der Company nutzen, um Repertoire und Technik von Trisha Brown zu lernen und zu recherchieren. Damit möchte ich meine Bewegungssprache anreichern, verbessern, vertiefen und ein eigenes, verfeinertes Unterrichtskonzept und choreographische Sprache anhand meiner bereits bestehenden Prinzipien und der Release Technik entwickeln.“